WÜRGEENGEL

Es ist eine Ensembleleistung im engen Verständnis des Wortes, und in Freiburg gewinnt sie durch die Homogenität und das hohe schauspielerische Niveau der Schauspieler und Schauspielerinnen.

nachtrkritik, Thomas Rothschild, 24.01.20

Onkel Wanja

Peter Carps Inszenierung von "Onkel Wanja" ist wie aus einem Guss: ein delikates Kammerspiel, eine melancholische Etüde im Unglücklichsein. So zart. So verschwiegen. So menschenfreundlich. So tröstlich.

Bettina Schulte,Badische Zeitung, 23.03.19

MAYDAY

"Ein Dokumentartheater, welches Ihnen noch lange in Erinnerung bleiben wird."

szenik.eu

MACBETH
Den größten Kraftakt meistern dabei Marco Stickel und Marieke Kregel als sprechendes Titelheldenpaar mit überwältigender Ausdruckskraft. Von einem weißen Bett aus, das vom Schürboden her einschwebt, stachelt Lady Macbeth ihren Gatten an, als Pflaster des Wegs zur Macht auch Leichen in Kauf zu nehmen. Sie lockt ihn in ihren Schoß – und plötzlich scheint der Herzschlag eben dort zu pulsieren. Elektrisiert wandeln die beiden die Aussicht auf Macht in sexuelle Energien um, wirken wie magnetisiert und ziehen sich gegenseitig hinein in den Strudel des Verderbens. 
Christine Wild, ​Die Deutsche Bühne, 18.06.2017
TAXIGESCHICHTEN
Es erscheint die eifersüchtige polnische Hure (klasse wie immer: Marieke Kregel), setzt sich und erscheint dann passgenau im Film im Taxi hinter Jürgen Sarkiss, dem Fahrer durch Berlin.
Peter Ortmann, Trailer, 26.11.2015
 
Koohestanis grandioser Mix aus Theaterinszenierung und Live- Dreh führt den Zuschauer an die Naht - und Bruchstellen zwischen Realität und Fiktion. (…) Da ist die Prostituierte Alicja, die durch Versprechungen eines Kunden nach Berlin gelockt wurde und nun vorgibt Polin zu sein, weil der Akzent (ganz wunderbar: Marieke Kregel) zurzeit geschäftsfördernd ist.
Wolfgang Platzeck, WAZ, Kultur, 02.11.2015
 
Es hat eine große Schönheit, wie die Schauspieler uns an der Alltäglichkeit ihrer Figuren teilnehmen lassen, wie feinsinnig sie spielen und dem Publikum Witz und Humor nahe bringen.
Christiane Enkeler, Deutschlandradio Kultur, 31.10.2015

VERBRENNUNGEN

 

Thomas Meczele und vor allem Marieke Kregel erzählen mit intensiven Blicken davon, was das schwerste Erbe ist: Der Krieg in den Herzen, der Kampf um die Menschlichkeit. Das Verzeihen bleibt eine vage Hoffnung.

Martina Schürmann, NRZ, 02.03.2015

DUNKEL LOCKENDE WELT

 

Marieke Kregel und Katja Stockhausen gehen an ihre Grenzen: Sie deklamieren absolut synchron (!) einen wissenschaftlichen Text voller Fachwörter über die Photosynthese, der anderen den Schädel platzen ließe. Dafür gab es spontanen Szenenapplaus bei der Premiere. Fabian Lettow von Kainkollektiv, der das Stück „Dunkel lockende Welt“ von Händl Klaus als Koproduktion mit dem Mülheimer Ringlokschuppen in Moers auf die Bühne bringt, kennt seine Leute. Er war eine Zeit lang Dramaturg in der Grafenstadt. Und weiß, dass diese Truppe die Schauspielerei auch durchaus als Knochenjob begreift.

Karen Kliem, Der Westen, 10.05.13

 

Bravourös gemeisterter Höhepunkt der Inszenierung des Regieteams Kainkollektiv ist der lexikalische Monolog über die Photosynthese, den Katja Stockhausen und Marieke Kregel (sie spielt Biologin und Corinnas Mutter Mechthild) gemeinsam abliefern – laut und leise, schrill, bewegt, nüchtern und wissenschaftlich, geschrien und gemurmelt; eine Herausforderung für Schauspieler. Das Publikum würdigte die sprachliche und textsichere Glanzleistung schon während des Stücks mit großem Applaus. Da haben sich zwei Schauspielerinnen für höhere Weihen empfohlen. Die Macher des Kainkollektivs, Fabian Lettow und Mirjam Schmuck, verhandeln die “Dunkel lockende Welt” auf unterschiedlichen Ebenen.

Anja Katzke, Rheinische Post–Online, 11.05.13

MANN IST MANN

 

(...) Insofern ist es fast folgerichtig, die Rolle des Galy Gay, der morgens Fisch kaufen geht und abends zur menschlichen Kampfmaschine geworden ist, mit einer Frau zu besetzen. Und mit was für einer. Marieke Kregel hat eine solch großartige Leistung abgeliefert, mal mit, mal ohne Sprachfehler, eine solche Bühnenpräsenz hingelegt, dass die Moerser es umsomehr bedauern werden, dass sie in der kommenden Spielzeit nicht mehr zum Ensemble gehören wird. Die zahlreichen Bravorufe am Schluss galten ihr allein – zu Recht.
Karen Kliem, WAZ, 17.05.2014

 

 

((...) Also wird Galy Gay in Philipp Preuss`(...) Inszenierung von Marieke Kregel verkörpert. Ein angeklebter Schnurrbart, aufgemalte Bartstoppel und ein gerade in Stressmomenten verstärkt auftretender Sprachfehler reichen der Schauspielerin, um sich die Identität des Packers perfekt anzueignen. Jeder kann jeder sein. Später wird sie als Kampfmaschine Jeraiah Jip den Sprachfehler dann weitgehend ablegen. Der schüchterne Ja-Sager war eben nur ein momentanes Ich, das gleich dem nächsten weichen muss. Dabei hatte Galy Gay bei Preuss durchaus die Chance, sein altes Leben zu behalten(...)Marieke Kregel steht in diesem Moment vorne auf der Bühne und wiederholt immer die gleichen Sätze, dass sie gehen könnte, aber vielleicht doch noch gebraucht wird.(...) Dieses sinnlose Verharren ist zunächst nur ein grandioser komödiantischer Moment. Doch je länger er währt, desto quälender und bitterer wird er. Der Witz wendet sich schließlich gegen jeden, der sich gegen die Behauptung "Mann ist Mann" sträubt.(...)Etwas Abgründiges liegt in Marieke Kregels Augen, während sie ganz sanft, fast schon zart ihre sich gleich einem Mantra wiederholenden Sätze spricht. Ihr Galy Gay will seine Identität loswerden und sein bisheriges Leben verlieren. Ein Einzelner zu sein, selbst wenn dieser Einzelne alles bejaht, ist Arbeit und damit anstrengend. Und so liegt in Marieke Kregels Blick eine seltsame Gier, die später, wenn die Soldaten Galy mit einem falschen Geschäft locken, noch einmal aufblitzen wird.
Sascha Westphal, nachtkritik, 15.05.2014

DAS MÄDCHEN, DAS DIE STREICHHÖLZER ZU SEHR LIEBTE

 

Innensicht einer heillos verirrten Seele und packender Theaterabend zugleich: Matthias Heßes Regiedebüt, „Das Mädchen, das die Streichhölzer zu sehr liebte“ am Schlosstheater Moers, wurde mit prasselndem Beifall gefeiert.

Marieke Kregel ist dieses Mädchen, das auch Feuerzeuge und Schwarzpulver sehr liebt, jetzt im Schlosstheater Moers. Das hat nun auch aus dem winzigen Pulverhaus im Schlosspark eine Bühne gemacht, zwei Dutzend Zuschauer haben hier Platz und das Stück rückt ihnen gehörig auf die Pelle, wenn Marieke Kregel sich gegen die Welt da draußen mit Gewehrkugeln, Dynamit und einem endlosen Wahnwortschwall zur Wehr setzt. Marieke Kregel geht vollends auf in dieser Maske maximaler Fremdheit, macht aber zugleich luzide, dass Menschen stets geworden sind, wie sie sind, nicht vom Himmel gefallen, auch wenn sie am Ende durch den Kamin dahin aufzufahren scheint.

Dieses Mädchen ist, noch im schlimmsten Furor, vergewaltigte Unschuld, die eigene Schwangerschaft bis zum Schluss verdrängend und lieber mit dem toten Fuchs redend als auf die eigene, innere Stimme hörend. Im Ballerinarock und im Kapuzenpulli, mit rotem Haar und Allonge-Perücke: Marieke Kregel meistert dieses Charakterkatastrophen-Solo voller Anmut und Würde, ohne jede Denunziation jenes Mädchens, das nicht nur die Streichhölzer, sondern auch sein Unheil zu sehr liebte. Was da in rundum geglückten 80 Minuten aufs Publikum einprasselt, ist das Regie-Debüt des Schlosstheater-Schauspielers Matthias Heße: eine Fingerübung, gewiss, aber stimmig bis in die tiefen Falten dieser unglücklichen Mädchen-Seele.

Peter Sieben, WAZ, 04.11.2012

 

Marieke Kregel spielt auf der stimmlichen Klaviatur. Sie schreit, faucht, gackert, meckert und flucht. Sie ist die “edle Wilde”, eine Art Kasper Hauser mit roten Haaren, der sich durch eine modrige und schimmelnde Bibliothek gelesen und so eine eigene, geradezu befremdende Sprache entwickelt hat, anziehend und abstoßend zugleich. Die zierliche Schauspielerin spielt “Das Mädchen, das die Streichhölzer zu sehr liebte” in der intimen Atmosphäre des Pulverhäuschens am Schloss mit einer ungeheuren Präsenz. Das ist ganz direktes Theater. Matthias Heße, der am Moerser Schlosstheater als Schauspieler engagiert ist, hat für diese neue Inszenierung die Seiten gewechselt: Er hat den Erfolgsroman des Autors Gaetan Soucy als Monolog bearbeitet und inszeniert das Stück als eine groteske Familientragödie um Gewalt, Gefühllosigkeit, religiösen Wahn, Inzest und eine rätselhafte Identität. Das Pulverhäuschen als Spielort ist wie geschaffen für die Inszenierung, die die historische Bedeutung des Gebäudes aufgreift: Es wird vor dem schmiedeeisernen Kamin gezündelt, geraucht, geschossen und Schwarzpulver angerührt.
Anja Katzke, Rheinische Post, 05.11.2012

WER HAT ANGST VOR VIRGINIA WOOLF?

 

Selten haben wir die unerbittliche Schlacht der Eheleute untereinander und in wechselnden Koalitionen gegeneinander mit solcher Wucht und Härte und schauspielerischer Variabilität ausgefochten gesehen. Selten zuvor kam uns in den Sinn, dass die Spiele, die die vier Protagonisten einander aufzwingen, im Grunde Sado-Maso-Spiele sind – wenn auch nahezu ohne jeden Körperkontakt. Und doch: In den Rundenpausen wird in Moers herunter-gefahren, finden die Schauspieler zu fast zärtlichen Tönen – immer aber hat diese Zärtlichkeit und scheinbare Fürsorge etwas Lauerndes. Unendliche Power hat diese Aufführung, und ihr Rhythmus ist selbst dann gnadenlos, wenn er einmal ruhig und still wird.
Was wir erleben in Moers, ist nicht weniger als ein Schauspieler-Fest. Frank Wickermann, Marieke Kregel, Patrick Dollas und Katja Stockhausen geben bei aller Aufgedrehtheit ihren Figuren individuelle, psychologisch fundierte Charaktere. Kaputt sind sie alle, und wie das nach und nach aufgedeckt wird, ist ein Meisterwerk – von Albee, aber auch von Preuss und seinem Team.
Bösartig sind sie auch, Martha und George mehr als die beiden anderen. Aber berührend ist es, wenn Marieke Kregels Martha, als sie sich unbeobachtet fühlt, die Videoprojektion des Gesichts ihres so verhassten Gatten streichelt. Kurz danach richtet sie wieder erbarmungslose, eiskalte Augen auf ihren Mann. Und wütet und schreit und flirtet und flüstert und sondert das Gift eines Skorpions ab, ohne Rücksicht auf Verluste.

Dietmar Zimmermann, Theater Pur, 13.05.2012


Der Abend gehört aber eindeutig Marieke Kregel, die als Martha auf der Klaviatur der Emotionen spielt. Sie giftet, geifert und streitet, um ihren Mann George (Frank Wickermann) vor den Gästen in seinem akademischen Scheitern bloßzustellen und ihn mit Worten zu verletzen, um im nächsten Augenblick selbst absolut verletzlich zu wirken. Preuss gelingt ein sehr dichtes und eindringliches Theaterstück, das Lachen zulässt, auch wenn es zuweilen im Halse stecken bleibt.

Anja Katzke, Rheinische Post, 14.05.2012


Mit Albee hat man alles, wonach sich das vom „postdramatischen Theater“ ermattete Publikum sehnt: Psychologie! Charaktere! Beziehungsterroristen! Menschen aus Hass und Blut. Ein Streitlustspiel! Frank Wickermanns George ist ein müde gewordenes, zähnefletschendes Aufbäumen, Marieke Kregel legt die Rachefrust-Göttin Martha als Befriedigungsmangel auf zwei Beinen an, der sich in Niedertracht hüllt. Aber wichtiger noch ist das Timing, mit dem beide die blitzgescheiten, wie Seelenmesser durch die Luft wirbelnden Dialoge Albees zum Funkeln bringen. Regisseur Philip Preuss, dessen Moerser Moliere („Der Geizige“) gerade zum NRW-Theatertreffen eingeladen wurde, macht die ehemalige Friedhofskapelle zum fünften Akteur des Stücks. Der Tisch mittendrin mutiert zum Beziehungsschlachtfeld, und was da fortwährend spritzt und tropft und plätschert, ist ja nur Wasser – vielleicht wollen sie ja doch alle nur spielen; da fügt es sich denn auch, wenn Außenaufnahmen per Videokamera auf den Tisch des Hauses projiziert werden oder George den Text des Stücks im Buch nachliest. Langer, begeisterter Premierenbeifall nach äußerst kurzen zweieinviertel Stunden.
Jens Dirksen, NRZ, 13.05.2012

Foto © Joachim Gern